Geschichte

Die Gaststätte zum „Feldschlößchen Reichenberg“ im 20. Jahrhundert

Gebäudeanlage bis 1911 wie Blatt 1 und 2 (Entstehungszeiten unbekannt)
Besitzer: Anna Reisig/Weißflogsche Erben, vertreten durch Restaurator Reisig, Radeburg
Gaststättenpächter Fährmann

1911 - Die Gemeinde beanstandet den Bauzustand des Hauses und die hygienischen Verhältnisse in der Gaststätte bei der königlichen Amtshauptmannschaft Dresden und Bittel, dem Besitzer die beabsichtigte Aufteilung der Räume des Dachgeschosses in zwei Wohnungen zu untersagen-was auch erfolgt.

September 1911 – Fährmann beendet das Pachtverhältnis

12.10.1911 – Anna Reisig beantragt für die Weißflogsche Erben die Baugenehmigung für eine Aufstockung des Hauses und den Umbau der Gaststätte (Architekt Paul Lungwitz, Reichenberg) sowie eine Schankkonzession.

Die Amtshauptmannschaft verlangt als Gegenleistung:

  • die kostenlose Abtretung der Flächen am großen Gallberg und der Dresdner Straße, die für die spätere Straßenverbreiterung benötigt werden und die Verpflichtung ...“für sich und alle Nachbesitzer, die spätere Beschleusung entlang der Grundstücksgrenzen auf eigene Kosten zu erstellen“ (die Flächen dürfen bis zur Inanspruchnahme weiterhin kostenlos genutzt werden für die Erbberechtigten, aber noch unmündigen Kinder, darunter Kurt Weißflog, muss der Reichenberger Kohlenhändler Max Schreier als Vormund diese Verpflichtung eingehen.)
  • 18.10.1911 – Baugenehmigung erteilt - „unter der Bedingung der Einhaltung der gestellten Forderungen“
  • 27.10.1912 – Ingebrauchnahme gestattet
  • April 1927 – Antrag auf Einrichtung einer Tankstelle mit 4000 l Tank
  • Nach endlosem Streit um den Standort erteilt die Amtshauptmannschaft am 10.02.1928 – der Herstellerfirma die Genehmigung zur Anlage mit 3000 l Tank (die alten Shellzapfsäulen standen noch nach dem Krieg)
  • 22.09.1930 – Kurt Weißflog erhält die Erlaubnis zum Schankwirtschaftsbetrieb
  • Weißflog beantragt den hinteren Schuppen durch Vorbau zur Garage zu erweitern, welche genehmigt und gebaut wurde. Bei Bauabnahme werden mehrere Mängel festgestellt und Nachbesserung gefordert:u.a. Feuerfeste Decke, trittfester Boden, Lüftungsschlitze im Tor und ähnliches- Weißflog kommt der Forderung nicht nach. Nach erneuter Mahnung verkauft er sein Auto.

Nach mündlichen Berichten:

  • Kurt Weißflog betreibt die Gaststätte mit seiner Frau, welche in den dreißiger Jahren zusätzlich den Gasthof Boxdorf übernimmt. Später folgte ihr Mann ebenfalls dorthin und verpachtete das „Feldschlößchen“ an Herrn Katanzki, der bereits vorher dort bedient hat. Kurt Weißflog stirbt nach dem Krieg – vermutlich Ende der 50er Jahre.
  • Katanzki betreibt das Feldschlößchen bis Anfang der 60er Jahre
  • 16.09.1965 – die verwittwete Frau Weißflog verkauft das Grundstück an die Gemeinde Reichenberg
  • 1966/67 – Umbau des Hauses, (1. Teil des Anbaus anstelle der alten Schuppen und Stallungen) zur Einrichtung des Kindergartens Reichenberg
  • 1984/85 – Verlängerung des Anbaus zur Erweiterung des Kindergartens
  • 1996 – Schließung des Kindergartens wegen nicht mehr genehmigter Betriebserlaubnis (Kreuzungsbereich, hohes Verkehrsaufkommen)
  • danach Gemeindehaus – Nutzung als Seniorentreff für Familienfestlichkeiten, Verkehrschulungen und Versammlungen von Sport, Feuerwehr u.ä.
  • Ab September 1997 im Obergeschoss Sängerheim des MGV Reichenberg
  • ab Januar 2000 Leerstand wegen defekter Heizung
  • Ende 2003 – Neueröffnung der Gaststätte mit Bowlingbahn durch die Familie Schröter
  • 2004 – Umbau der Aussenanlagen zum Biergarten